Alte Liebe

Sie ist ein Mix aus Bar und Restaurant in der Ludwigstraße, hat in letzter Zeit eine Metamorphose durchlebt, deren Nutznießer all jene sind, die frische Ideen aus der Küche zu schätzen wissen. Das Publikum ist vorwiegend jung oder sieht so aus und allem Anschein nach bereit, sich von Benjamin Mitschele kulinarisch verführen zu lassen. Hier gehört die Miesmuschel zum Schweinebauch und die Auster in den Wodka. Auf den handlichen Pizzen verstehen sich Pulpo und Schweinskopf oder frische Feigenstücke mit Schimmelkäse und Nüssen. Und mal ganz ehrlich, so viele Restaurants wird es in unserer Region nicht geben, in denen Hipsterbärtchen wie SUV-Lenkerinnen 50+ das Leckere aus gegrillten Markknochen kratzen und auf Röstbrot streichen.

In der Alten Liebe ist kein Platz für Berührungsängste. Gut 50 Menschen speisen, trinken, feiern auf engstem Raum. Das ist akustisch nicht durchgehend ein Vergnügen, doch das passende Quantum alkoholhaltiger Getränke dämpft aufkommenden Verdruss. Das Trinken in der Alten Liebe bereitet Freude und hat Tradition. Dieser Ort war schon in den 80er-Jahren eine wichtige Adresse im hiesigen Nachtleben. Heute finden sich im Barangebot einige schräg süffige Bierspezialitäten, unfiltrierte Bioweine und Obstbrände von Zott, also aus der Nachbarschaft.

Lokale Produkte sind für Mitschele wohl ein Thema, aber kein Dogma. Auf seiner Homepage führt er einige Partner aus der Region auf, das Mineralwasser lässt er aber aus dem Chiemgau ankarren. Seit einigen Monaten hält sich das Gerücht, das Lokal könnte in die Räume des ehemaligen Odeon umziehen. Wir werden sehen.  

Die Küche in der Alte Liebe ist von besonderer Qualität und hat Stil. Die Servicekräfte sind nett, die Abläufe unkompliziert und klappen prima. Vier Personen sollten für einen netten Abend rund 200 Euro rechnen. Das ist nicht billig, aber angesichts der gebotenen Leistung okay.
www.alte-liebe-augsburg.de