Barbekanntschaften: Oh Boi

In der ehemaligen Alten Liebe startet die neue Locationvon Ben Mitschele und Christoph Steinle

Am Schluss musste es schnell gehen. Eine gute Woche blieb Zeit, um in das Restaurant in der Ludwigstraße eine Bar zu bauen. Es war nicht die erste Metamorphose dieser Location, die vor 30 Jahren von einem Wirt namens Suz erfunden wurde und damals zu blauem Neonlicht Punk, Ska und New Wave servierte.

50:50 heißt die Devise im Oh Boi. Zur Hälfte Bar und zur anderen Hälfte ein Laden, in dem man auch nach 22 Uhr »vernünftig was zu essen bestellen kann«, wie es Ben formuliert. Als er vor wenigen Jahren die Küche der Alten Liebe übernahm, machte er einiges anders als die Kollegen und dabei vieles richtig. Das Restaurant war der angesagte Laden für Leute um die 30 mit Bart, Strickmützchen und Slim-Fit-Anzügen. Doch, um es klar zu sagen, dieser Hype war verständlich (siehe auch a3regional-Ausgabe #4). Aber die Liebe der Fans zu Mitscheles Küche ging nicht so weit, die gute Stube auch in den heißen, langen Sommernächten zu beleben. Ohne Außenbestuhlung wurde in dieser Stadt schon aus manchem guten Wirt ein armer Mann. Soweit wollte er es nicht kommen lassen, also machte er sich daran, das Konzept zu überarbeiten.

An dieser Stelle kommt Christoph Steinle ins Spiel. Als August-Gin-Erfinder und Clubchef im Bungalow kennt er sich mit Bars aus, und das nicht nur in unserer kleinen Fuggerstadt. Bei Ben war er guter Gast, gab auch mal Tipps für die Getränkekarte und man saß hin und wieder auf ein letztes Bierchen zusammen, als die normalen Gäste schon gegangen waren. Der Verlockung, hier gemeinsam einen Laden zu machen, konnte wohl keiner der Beiden auf Dauer widerstehen. Schwarz sollten die Wände werden, faustdick die Holztische und die Drinks von ausgesuchter Qualität und Fantasie. Das Essen sollte an die Küche der Alten Liebe erinnern, aber auch den Bedürfnissen eines erwachsenen Barpublikums gerecht werden. Und so geschah es.

Die Speisekarte kann man mit vier Positionen als übersichtlich bezeichnen. Oysters, Small Plates, Bao Buns und Sweets lauten die Headlines. Asiatische Einflüsse werden nicht geleugnet, Rezepte aber nicht übernommen, sondern neu ersonnen. Da kommen Dinge zusammen, die passen. Die Sai Uah zum Beispiel ist eine »Hausmade Thai Herb Sausage« mit Ingwer, Kräuter und Chili. Das Fleisch kommt natürlich vom hällischen Schwein und auch sonst wird gut überlegt, mit welchem lokalen Anbieter man eine Geschäftsbeziehung eingeht.

Wer Lust auf vegane Küche hat, bestellt eine Portion »Bäng Bäng«, »Handpulled Noodles«, deren Teig beim Kneten richtig gut auf den Tisch knallen muss, dazu Senfkohl, Chili und Frühlingslauch. Die »Bao Buns« sind Dampfbrötchen mit diversen Belagsvariationen, zubereitet im Dim-Sum-Körbchen. Einige dieser Holzspanobjekte dienen im Oh Boi auch als Lampenschirme und zaubern ein sanft-verspieltes Licht auf die schwarzen Wände und die bunten Drinks. Zahlenmystiker werden ihre Schlüsse daraus ziehen, dass die Getränkekarte den etwa fünffachen Umfang des Speiseangebots umfasst. »Sämtliche ge-
listeten Drinks wurden in schlafraubenden Selbstversuchen optimiert«, versichert Christoph Steinle. Die Gläser sind gefrostet, die Eiswürfel haben eine Betriebstemperatur von minus 30 Grad und die verwendeten Sirups sind natürlich hausgemacht, wie für den »Hibiscus Highball«.

Öffnungszeiten:
Do–Sa ab 19 Uhr,
Küche bis 24 Uhr, Bar geht länger

www.oh-boi.de