Imkern ist wieder in

Der Bezirk Schwaben engagiert sich für Imker, Bienen und Honig. Ein Interview mit Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Von Jürgen Kannler

a3regional: Herr Reichert, was verbindet den Bezirk Schwaben mit Bienen und Honig?

 

In der Tat pflegen wir zu diesem Thema zum Beispiel über unser Engagement bei der Imkerschule Schwaben eine sehr enge Beziehung. Die Arbeit der Bienen ist ein wesentlicher Grundpfeiler für unser Leben. Man sollte viel mehr Augenmerk auf die wichtige Rolle legen, die Bienen und natürlich auch andere Insekten spielen. Zum Glück gewinnt dieses Thema in letzter Zeit an Fahrt. Das Insektensterben ist heute Thema in den Medien und kommt so auch stärker in der Politik an. Ich glaube Albert Einsteinwird das Zitat zugeschrieben, dass die Menschheit kein Jahr ohne Bienen überleben würde. Also unterstützt der Bezirk seit langem die Imkerschule in Kempten-Kleinkem-nat, die vor kurzem den 40. Geburtstag feiern konnte.

 

Welche Aufgaben hat die schwäbische Imkerschule?

 

Dort werden interessierte Bürger an das Thema herangeführt und motiviert, sich als Bienenzüchter ausbilden zu lassen. Eine Zeit lang sah es um den Nachwuchs auf diesem Gebiet gar nicht gut aus. Das hat sich geändert. Heute kann man von einer Trendwende sprechen. Imkern ist wieder in.Und waren es früher vor allem Männer, die sich des Themas annahmen, sind es heute mehr Frauen, die sich zur Imkerin ausbilden lassen. Diese wunderbare Einrichtung organisiert aber auch sehr niederschwellig Angebote, um allen Altersgruppen einen Einblick in die Welt der Bienen und damit auch des Honigs zu ermöglichen. Darüber hinaus arbeitet die Schule natürlich intensiv mit dem Landesverband der Imker zusammen. Eine der wichtigsten Aufgaben dieser Einrichtungen ist es, Wege gegen das Bienensterben aufzuzeigen. Zuletzt konnten wir der Schule auch zusätzliche Ausbildungsräume auf einem ehemaligen Gutshof in Bickenried bei Irsee vermitteln. Dort ist heute ein anerkanntes Rehazentrum untergebracht, das noch freie Raumkapazitäten hatte. Diese Zusammenarbeit funktioniert heute einwandfrei und passt für mich sehr gut zusammen. Der Bezirk Schwaben ist zuständig für die Gestaltung von Heimat, und da passt das Thema Bienen und Honig wunderbar dazu. Die Imkerei ist im Aufwind.

 

Worauf führen Sie diesen Stimmungswandel zurück?

 

Die Bevölkerung lebt zunehmend bewusster, vor allem auch wenn es um Essen und Trinken geht. Und wer sein eigenes Bienenvolk hat, weiß eben ganz genau, was in seinem Honig drin ist. Ich versuche diese Entwicklung auch ganz praktisch zu unterstützen, indem wir Bienenzüchtern bei der Suche nach Aufstellmöglichkeiten für ihre Bienenstöcke helfen. Vor kurzem konnten wir beispielsweise einem Imker einen Platz im Park des Altenheims der Barmherzigen Schwestern in Göggingen vermitteln. Davon profitieren alle Beteiligten. Der Züchter hat einen attraktiven Standort, die Bewohner des Heimes freuen sich an den Bienen und ab und an fallen auch ein paar Gläser Honig für den Frühstückstisch ab.

 

Für manche Einrichtungen ist es ja mittlerweile auch ein Imagefaktor, Bienenstöcke zu beheimaten. Ich denke an Häuser wie das Hotel Drei Mohren oder das Schaezlerpalais.

 

Genau, Patenschaften für Bienenstöcke zu übernehmen ist der Renner. Beim Jubiläum der Imkerschule habe ich in dem Zusammenhang etwas Interessantes erfahren. Zwischenzeitlich ist der Ertrag der Bienen in der Stadt höher ist als auf dem Land. Das liegt an der großen Vielfalt an Pflanzen, die es heute in den Städten gibt. Diese können die Bienen ganz ungestört von Schadstoffen, die in der Landwirtschaft zum Alltag gehören, nutzen und bringen so relativ viel Honig in oft hervorragender Qualität. Außerdem arbeiten die Züchter heute mit eher harmlosen, wenig aggressiven Bienen, die kaum mehr stechen. Bei einer Veranstaltung durfte ich selbst einmal in einen Stock hineingreifen, und keine einzige hat mich gestochen. Obwohl ich vorher schon meine Bedenken hatte.

 

Spielt das Thema Imkerei auch eine Rolle im Bauernhofmuseum Illerbeuren?

 

Nein, wir haben dort zwar auch einen Bienenstock, aber es ist kein Schwerpunktthema. Wer sich für die Imkerei interessiert, dem empfehle ich einen Besuch im Bienenmuseum im Vöhlinschloss in Illertissen, dem einzigen in ganz Schwaben. Natürlich unterstützen wir als Bezirk auch diese Einrichtung.

 

Und wie genießen Sie Honig?

 

Ich habe den Honig am liebsten im Winter im Tee.