Lechtal-Lamm

Wussten Sie eigentlich, dass es in unserer Region eine ganz besondere Schafzucht gibt, die nicht nur besonders leckere Lämmer hervorbringt? Die Artenvielfalt in den Lechauen mit einem Landschafts- und Pflanzenbild, wie es auf der ganzen Welt nur hier bei uns vorkommt, haben wir vor allem den Schafen zu verdanken. Sie wollen mehr darüber erfahren? a3regional auch! Ein Gespräch mit Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband Augsburg und ein Besuch bei der Schäferei Hartl

a3regional: Was genau ist das Lechtal-Lamm?

 

Nicolas Liebig: Es gibt in der Umgebung von Augsburg eine lange Tradition und das ist dieWanderschäferei. Schon Mitte des 19.Jahrhun­derts sind Schäfer aus ganz Süddeutschland in den Sommermonaten vor die Tore Augs­burgs gewandert, um dort ihre Schafe weidenzu lassen – auf den sogenannten Lechheiden. Das sind sehr karge Kies und Schotterböden, auf denen man keine Ackerwirtschaft betrei­ben kann. Aber die Schafe kommen auf die­sem Umland gut zurecht und hinterlassen eine artenreiche Kulturlandschaft. Um diese Regionalität zu schützen, haben wir 2001 die Marke »Lechtal Lamm« ins Leben gerufen.Diese unterliegt bestimmten Produktionsrich­tlinien: Die Schafe müssen beispielsweise in der Landschaftspflege aktiv gewesen sein, das heißt, sie haben im Sommer auf Naturschutz­flächen zu weiden, außerdem dürfen die Lämmer nur ein bestimmtes Alter erreichen und nicht mit Kraftfutter bzw. Soja gefüttert werden.

 

a3regional: Wie kommt die besondere Artenvielfalt in den Lechauen zustande?

 

Nicolas Liebig: Durch die Beweidung. Die Schafe halten Bäume und Sträucher von der Fläche, sodass viel Sonne auf die Heiden scheinen kann, sie fressen selektiert und ermöglichen dadurch einen strukturierten Bestand und die Tritt­ stellen lassen verschiedene Arten keimen. Ganz besonders ist aber, dass jedes Schaf im Schnitt 10.000 Pflanzensamen transportiert, sodass Pflanzenarten wandern und neue Le­bensräume besiedeln können.

 

a3regional: Mittlerweile ist die Vermarktung des Lechtal-Lamm zum Erliegen gekommen. Warum?

 

Nicolas Liebig: Zuerst hat alles sehr gut funkioniert. Die Schäfer haben selbst vermarket und ihre Läm­mer selbst geschlachtet. Doch dann hat die EU Hygiene-Richtlinien und sehr hohe Aufla­gen für Schlachträume eingeführt. Finanziell konnten das die Schäfer nicht bewerkstelli­gen, sodass sie ihre Hof-Vermarktung nicht aufrecht erhalten konnten. Der Landschaft­pflegeverband will jetzt den Schäfern ein zu­sätzliches wirtschaftliches Standbein schaf­fen und somit die alten Landnutzungsformen fördern.

 

a3regional: Wie werden Sie dabei vorgehen?

 

Nicolas Liebig: Von der Verbraucher-Seite gibt es schon eine hohe Nachfrage nach Lamm. Was uns fehlt, ist ein Metzger. Wir haben nun ein Planungs­büro beauftragt, das der Vermarktung neue Impulse geben soll und ein wesentlicher Schritt wird es sein, einen Schlachter in der Region zu finden – einen Schlachthof, der den EU-Richtlinien entspricht. Es wäre schön, wenn man bald wieder das Lechtal-Lamm kaufen und essen könnte. Wir sind allerdings noch in der Anfangsphase unseres Projekts.Voraussichtlich im Herbst werden wir eine Aktionswoche veranstalten mit Gastronomen, die das Lechtal-Lamm auf ihrer Speisekarte anbieten, und mit Metzgern, die das Lamm in dieser Woche verkaufen. Deshalb bitten wir alle Gastronomie-Betriebe, die auf der Suche nach regionalem und qualitativ hochwertigem Lamm sind, sich bei uns zu melden.

 

a3regional: Sind Sie zuversichtlich, was das Projekt angeht?

 

Nicolas Liebig: Ja, ich bin sehr zuversichtlich. Die Nachfrage ist sehr groß, wir befinden uns hier in einem Ballungsraum mit weit über 300.000 Einwoh­nern im ganzen Umfeld. Das Bewusstsein für regionale Produkte steigt stetig und somit auch unser Klientel. Das einzig Entschei­dende ist der Metzger! Gibt es denn aktuell noch Schäfer, welche die Lechau­en beweiden? Es gibt vier bis fünf Schäfer, die in den Lech­heiden unterwegs sind und die haben zwei Einnahmequellen. Das ist einmal die Naturschutzarbeit und einmal die Fleischvermarktung. Mit der ursprünglichen Wollvermarktung lassen sich keine Erlöse mehr erzielen.Ganz anders ist es mit dem Lammfleisch. Lämmer werden spätestens nach einem halb­en Jahr geschlachtet und das Fleisch ist sehr zart und gesund.

 

a3regional: Schmecken LechtalLämmer denn besonders gut?

 

Nicolas Liebig:Es gibt einen deutlichen Unterschied in der Qualität zu anderem Lamm. Lammfleisch aus Neuseeland und Großbritannien ist sehr stark aufgemästet. Hier wächst das Lamm relativ langsam, läuft ein halbes Jahr mit Herde durch die Lechheiden und ernährt sich dort hauptsächlich von Kräutern. Und das merkt man.

 

 

 

Wo sind die Lämmer hin? Ein Besuch bei der Schäferei Hartl.

 

Nach diesem Gespräch stellte sich mir nur noch eine Frage: Was passiert mit den Scha­fen und Lämmern der Schäfer, die die Lechauen beweiden, wenn das Lechtal-Lamm nirgendwo zu kaufen ist und es kei­nen Schlachter in der Umgebung gibt? Diese Frage führte mich zur Schäferei der Hartl Familie in Affing/Mühlhausen. Dort kamen erstaunliche Tatsachen ans Licht.

 

Als ich Josef und Christian Hartl, Vater und Sohn, die Frage stellte, ob sie eine herzergreifende Geschichte aus ihrem Schäferda­ sein zu erzählen hätten, bekam ich folgende Antwort: Ein Schäfer ist ein ganz normaler Mensch. Im Sommer sind die beiden Wan­derschäfer in den Lechauen unterwegs, im Winter in Pöttmes, zurzeit befinden sich die Schafe aber im Stall. Ab 1. April beginnt dann wieder die neue Beweidung in den Lechauen. Im Laufe der Unterhaltung erfahre ich dann aber doch noch etwas Herzergreifendes. Die Hartls sind Schäfer mit Leib und Seele, sie leben für Ihre Schafe und für die Natur. Sie sind für das einzigartige Landschaftsbild in den Lechheiden verant­wortlich und sie erschaffen ein Lamm, das gesünder, regionaler und leckerer nicht sein könnte. Doch was passiert mit den Lechtal-Lämmern, wenn sie nach einem halben Jahrbereit für unsere Gaumen sind? Sie werden nach Stuttgart geschickt. Nicht gekenn­ zeichnet als Lechtal-Lamm, werden sie dort geschlachtet und als ganz normales Lamm vermarktet, während wir uns hier – verzwei­felt auf der Suche nach regionalen Pro­dukten – mit angeblich deutschem Lamm, das aber eigentlich aus Großbritannien kommt oder mit Lamm aus Neuseeland zu­frieden geben müssen. Und das nur, weil es keinen Schlachter in unserer Umgebung gibt, der die Lechtal-Lämmer verarbeiten darf. Und genau dagegen wollen die Schäfer nun etwas unternehmen. Sie stehen nicht nur voll und ganz hinter dem Projekt desLandschaftspflegerverbands Augsburg, son­dern sie wollen etwas auf die Beine stellen. Doch das schaffen die Beiden nicht alleine und deshalb noch einmal, weil die letzten Worte am besten im Gedächtnis bleiben: Lamm sucht Metzger!

 

Aufruf:

Alle Gastronomie-Betriebe, die auf der Suche nach regionalem, qualitativ hochwertigem Lamm sind, können sich unter folgender Adresse melden:

Michael Böhm, Projectmanager Ecozept, Oberer Graben 22, 85354 Freising. Tel.: 08161-148215 boehm@ecozept.com.

Ecozept steht für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelversorgung und Landnutzung und wurde vom Landschaftspflegeverband mit der Vermarktung des Lechtal-Lamms beauftragt.

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Affing/Mühlhausen