Marktanalyse

Italien, Afrika, Döpshofen. Sich mit Lebensmitteln aus allen Teilen der Welt einzudecken war noch nie so einfach wie heute. Doch wann haben Sie zuletzt mit dem Bauern oder der Bäuerin gesprochen, die Ihre Tomaten anbauen? Auf den Wochenmärkten in unserer Region bietet sich diese Gelegenheit. Felicitas Neumann besuchte für a3regional einige dieser rund 20 Märkte in Augsburg und den benachbarten Landkreisen. Sie prüfte das Angebot, wunderte sich, dass es beim Marktamt in Augsburg keinen Ansprechpartner für die Wochenmärkte in den Vorstädten gibt, sprach mit Fieranten und Fierantinnen, also den Marktleuten, und genoss diese ganz spezielle Atmosphäre zwischen Obst und Gemüse, das meist aber nicht immer aus unserer Region stammt. Eine Marktanalyse von Felicitas Neumann

8 Uhr morgens an einem spätsommerlichen Freitag. Kühle Morgenluft umgibt den Friedberger Marienplatz – und alle 18 Marktstände, die ihn zum Leben erwecken. Mit mir haben schon einige Kunden den Weg zu diesem Markt im Herzen der Altstadt gefunden. Ich schlendere durch die Gassen und fühle mich heimisch – und das nicht nur, weil ich in dem gemütlichen Städtchen aufgewachsen bin. Genau so, wie es hier aussieht, riecht und schmeckt stelle ich mir einen Wochenmarkt vor.
 
Zuerst lockt mich ein Stand, von dem aus es herrlich erdig nach frisch geerntetem Gemüse riecht. Ein Duft, in den sich Noten von dicken, reifen Brombeeren und heimischen Pilzen mischen. Man könnte sagen, saisonale und regionale Vielfalt erfasst meine Sinne. Nach dem ersten kurzen Plausch weiß ich auch, mit wem ich es hier zu tun habe. Der Stand der Familie Baumgartner gehört schon lange zum Marktgeschehen in Friedberg. Eine Mitarbeiterin verführt mich zu einigen köstlichen Brombeeren und Kirschen.
 
»Wir spüren einen stetigen Anstieg an Nachfrage für unsere Ware. Besonders das Gemüse geht hier recht gut. Nur in den Sommerferien lässt das Geschäft etwas nach.« Aber scheinbar nicht so sehr, als dass sich das frühe Aufstehen an den Wochenenden – der Wochenmarkt in Friedberg findet freitags und samstags statt – nicht doch lohnen würde.
 
Als ich meinen Bummel fortsetze und an lecker aussehendem Käse aus dem Allgäu, duftendem Brot, appetitlich angerichteten Fleisch- und Wurstwaren und frisch geschnittenen Blumen vorbeikomme, finde ich im Gespräch mit anderen Händlerinnen heraus, dass auch sie die Lage prinzipiell positiv bewerten. Doch meine kleine Umfrage ergibt noch einen anderen Aspekt. Die Nachfrage ist kein Problem, doch der Nachwuchs. Roland Gerkens vom Kommunalreferat der Stadt Friedberg erklärt: »Der Friedberger Wochenmarkt findet seit einiger Zeit auch am Samstag statt. Hier haben wir aber weit weniger Stände als am Freitag, weil uns einfach die Fieranten fehlen.«

Welche Folgen fehlender Nachwuchs haben kann, sieht man am kleinen Ökomarkt in Diedorf. Nur noch zwei von ehemals fünf Marktständen präsentieren hier ihre Waren. Alters- oder krankheitsbedingt mussten die Kollegen des Gemüsestands aus Babenhausen und eines Naturkostladens in Augsburg aufhören. Mangelndes Angebot mindert natürlich auch die Attraktivität eines Wochenmarkts. Irgendwann hat sich dann auch für die Bäckerei Schubert aus Neusäß das Geschäft in Diedorf nicht mehr gelohnt. Neue Interessenten, die sich in Diedorf einbringen wollen, haben sich bisher nicht gemeldet. »Spätestens wenn ich in Rente bin, wird der Markt in die Brüche gehen, falls keine neuen Fieranten gefunden werden«, mutmaßt Herr Müller von »Naturkost & Waren«. Und das, obwohl der Markt etwas ganz Besonderes ist. Nur ökologisch und nachhaltig angebaute Produkte werden hier angeboten. Ich betrachte das traurige Bild am Platz und denke an die verschiedenen Lieferservices für regionales Obst und Gemüse, die zurzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Das wirft bei mir die Frage auf, ob es in 20 Jahren noch Wochenmärkte geben wird.

Einen Markt mit einer völlig anderen Atmosphäre als in Diedorf finde ich in Schwabmünchen. Schon eine halbe Stunde, bevor der Bauernmarkt offiziell startet, kommen die ersten Besucher. Acht Stände werden hier betrieben – alles von Anbietern eigener Produkte aus der Region. Organisiert wird der Markt vom Verein »Bauernmarkt Staudenland e.V. Schwabmünchen«. Vorstand Benedikt Zedelmaier erklärt: »Der Andrang auf unseren Markt hat stark zugenommen, seit wir aus dem Industriegebiet in die Innenstadt gezogen sind. Sie sehen ja selbst, was hier los ist.« Das ist verständlich. Einkaufen auf dem Wochenmarkt hat im besten Fall auch atmosphärische Qualität. Sogar bei Regen kommen die Leute, um Lebensmittel einzukaufen. Ein optisch attraktiver Standort spielt also eine wichtige Rolle für einen funktionierenden Wochenmarkt. Doch auch bei dieser These bestätigen Ausnahmen die Regel, zum Beispiel in Neusäß.

Dieser Wochenmarkt gehört zu den ältesten in der Region, aber bestimmt nicht zu den schönsten. Seit über 30 Jahren behauptet er sich jedoch sehr erfolgreich auf dem Festgelände unweit der Discounterwüste und verfügt über einen großen Parkplatz. Hier kaufen auch Familien ein, die zuerst ihren Wocheneinkauf in den nahen Supermärkten hinter sich bringen, bevor sie hier gezielt Spezialitäten aus der Region oder etwas darüber hinaus in ihren Korb packen. Auch das kommt auf Wochenmärkten gelegentlich vor. Bei meinem Besuch hat mir ein Standbetreiber tatsächlich Eier aus Brandenburg untergeschoben, was dank des gestempelten Codes klar nachzuverfolgen war. Die hätte ich bei Norma um die Ecke wesentlich billiger bekommen. Ich lerne, dass man auch beim Einkauf auf den Wochenmärkten die Augen offen halten sollte.       

Gelegentliche Schummeleien können dem positiven Image der Märkte nichts anhaben, auch nicht in Neusäß. So gut wie nie findet hier ein Wechsel der 20 Standbetreiber statt. Vor allem die Stammkunden sichern das Geschäft der Betreiber. Ein weiterer Vorteil hier: Es fallen keine Marktstandgebühren an. So ähnlich läuft es auch in Gersthofen. 14 Beschicker seit vielen Jahren, Stammkundschaft, kein Platzgeld. Hier spenden die Fieranten jedoch auf freiwilliger Basis für den jährlichen Margaritenball in der Stadthalle.  

Als ich von meiner Tour nach Hause komme, führe ich mir die Wochenmärkte noch einmal vor Augen. Jeder Einzelne hat etwas Eigenes und Besonderes, und doch haben alle etwas gemeinsam. Sie alle leben von ihren Stammkunden, die gesunde, frische und regionale Lebensmittel schätzen und hier meist auch bekommen. Die Menschen kaufen auf den Märkten ein, weil sie hier mit den Produzenten plaudern und ein Gesicht hinter den Produkten sehen können. Und so etwas wird es niemals in einem Supermarkt oder beim Online-Shopping geben!  

Wochenmärkte in unserer Region:

Aichacher Wochenmarkt | Freitag von 7 bis 13 Uhr und Samstag von 12 bis 13 Uhr auf dem Stadtplatz

Bärenkeller | Samstag von 9 bis 13 Uhr auf dem Bürgerplatz

City-Galerie | Donnerstag 9.30 bis 19 Uhr auf dem Willi-Brandt-Platz

Dasinger Bauernmarkt | täglich von 8 bis 20 Uhr an der Brandleiten 6

Diedorfer Wochenmarkt | Freitag von 9 bis 16 Uhr auf dem Marktplatz

Friedberger Wochenmarkt | Freitag von 7 bis 13 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr auf dem Marienplatz

Gersthofer Wochenmarkt | Samstag von 7 bis 12 Uhr auf dem Rathausplatz

Göggingen | Donnerstag von 7 bis 13 Uhr in der Bgm.-Miehle-Straße

Haunstetten | Freitag von 14 bis 16.30 Uhr in der Flach-/Eggen-/Goldammerstraße

Hochzoll | Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und Freitag von 14 bis 18 Uhr auf dem Zwölf-Apostel-Platz

Königsbrunner Wochenmarkt | Samstag von 8 bis 12 auf dem Marktplatz

Lechhausen | Freitag 12 bis 18 Uhr in der Widderstraße

Meringer Wochenmarkt | Freitag 8 bis 14.30 Uhr auf dem Marktplatz

Neusäßer Wochenmarkt | Samstag von 7 bis 12 Uhr auf dem Volksfestplatz

Oberhausen | Samstag von 6 bis 20 Uhr auf dem Helmut-Haller-Platz

Pfersee | Freitag von 8 bis 16 Uhr in der Franz-Kobinger-Straße

Schwabmünchner Wochenmarkt | Freitag von 13 bis 17 Uhr in der Jahnstraße

Stadtberger Wochenmarkt | Samstag von 9 bis 13 Uhr auf dem Oberen Stadtweg

Stadtmarkt | Unter der Woche von 7 bis 18 Uhr, Samstag von 8 bis 14 Uhr in der Fuggerstraße

Univiertel | Samstag 8 bis 12 Uhr auf dem Europaplatz