Vitamine frei Haus

Das Geschäft mit dem Lieferservice lokaler Lebensmittel boomt. Ein Vergleichstest von Felicitas Neumann

Um an frisch geerntete Bauernhofprodukte zu kommen, muss man keine Reise mehr aufs Land machen – sie kommen zu uns! In unserer Region gibt es mehrere Möglichkeiten, seinen Kühlschrank zu füllen. a3regional stellt drei davon vor.
 

Markthalle auf Zeit

Für Essen schwärmen – das ist das Motto der Marktschwärmerei. Seit Mai 2017 gibt es auch eine in Augsburg. Susanne Brückner lernte das Konzept einer Schwärmerei in Berlin kennen und fasste den Entschluss, diese Art von Wochenmarkt nach Schwaben zu bringen. Zurzeit arbeitet sie mit elf regionalen Erzeugern zusammen und die Auswahl kann sich sehen lassen. Das Projekt soll aber so lange wachsen, bis das Lebensmittelsortiment, das ein Supermarkt führt, auch bei ihr bestellt werden kann.

Und so funktioniert die Marktschwärmerei: Die lokalen Produzenten stellen ihre Produkte online. Mitglieder der Schwärmerei können die Lebensmittel nun bestellen. Es gibt keinen Mindestbestellwert. Die Bezahlung erfolgt ebenfalls online. Jeden Mittwoch zwischen 17:30 und 19 Uhr treffen Besteller und Produzenten im Akti:f Café zusammen, um Waren zu übergeben, sich kennenzulernen und sich zu unterhalten. In diesen Stunden wird das Lokal zur Markthalle auf Zeit. »Unsere Kunden sind sehr interessiert daran, wo die Lebensmittel herkommen.« Die Menschen auf diese Weise zu erreichen, ist ein Ziel der Marktschwärmerei. Aber auch die lokale Ökonomie zu stärken und Transparenz sowie faire Lebensmittel anzubieten, gehört zum Konzept. Mittlerweile hat die Schwärmerei in Augsburg 590 Mitglieder, Tendenz steigend. www.marktschwaermer.de

Der Hofladen im Internet

Der Zufall brachte die Macher von Gmias zusammen. Kajetan Mischok ist Software-Unternehmer, Klaus Thiele, Philipp Lechner und Benjamin Schlagenhauf sind Gründer eines Start-ups für Sportnahrung in Bioqualität. Gemeinsam gründeten sie nun Gmias. »Dieser ganze Müll und die Chemie auf dem Lebensmittelmarkt hat uns einfach gestört. Wir dachten: Da muss es doch einen besseren Ansatz geben!«, erzählt Philipp Lechner über die Gründungsgeschichte. »Bei Gmias können unsere Kunden gesunde, lokal produzierte Lebensmittel ohne Bullshit und mit einem guten Nährstoffgehalt kaufen.« Und das online. Einfach auf der Website die gewünschten Produkte in den Warenkorb legen, Adresse angeben und bequem per Paypal oder Kreditkarte bezahlen. Geliefert wird am Folgetag von Dienstag bis Freitag zwischen 19 und 21 Uhr. »Bekommen wir Bestellungen rein, dann fahren wir am nächsten Tag zu den Erzeugern und holen die frischen Lebensmittel direkt vom Hof. Dann geht’s zu unseren Kunden«, erklärt mir Klaus Thiele. »Um die Umwelt nicht unnötig zu belasten, nutzen wir dafür das Carsharing der swa.« Noch steckt das Start-up in den Anfängen. »Wir sind noch in der Testphase und arbeiten erst mit drei Produzenten zusammen. Unser Liefergebiet ist Friedberg und Augsburg. Das wird sich aber bald ändern!« Die Bestellungen steigen und das Konzept kommt gut an – besonders bei älteren Leuten, die fit im Internet sind. Doch nicht nur Kunden haben Vorteile, auch die Bauern profitieren von dem Konzept. »Bei uns können die Erzeuger selbst entscheiden, was sie für ihr Produkt haben wollen und wir packen dann auf diesen Preis unsere Kosten drauf. Dadurch erhalten die Bauern einen guten und gerechten Preis für ihre Produkte.« Effizient, umweltfreundlich, nachhaltig und fair – das zeichnet Gmias also aus. www.gmias.com

Der Pionier

Mit einem ganz ähnlichen Konzept arbeitet die Rollende Gemüsekiste schon seit 1995. Die Firma ist der Pionier der Branche und hat als Vorreiter das Thema in die Gesellschaft getragen. Ihre Anfänge nahm die Rollende Gemüsekiste wie es sich für ein Start-up gehört in einer Garage. Ihr Gründer heißt Hermann Haas-Hübsch. Er und sein Team arbeiten vorwiegend, aber nicht ausschließlich, mit regionalen Bäuerinnen und Bauern zusammen, die Bioqualität garantieren. 39 Lieferanten sind es inzwischen, allein 15 aus der Region Augsburg und den benachbarten Landkreisen. Im Online-Shop kann man über Gemüsekisten, Kräutertöpfe und Getreideprodukte bis hin zu Fleisch, Milch- oder Backwaren auch Samen, Aufstriche, Gartenzubehör oder Bücher kaufen. Mittlerweile rollt die Gemüsekiste zu rund 3.000 Kunden und Kundinnen in und um Augsburg.
www.rollende-gemuesekiste.de

Der Vergleich

Das Geschäft mit dem Lieferservice lokaler Lebensmittel boomt. Um herauszufinden, wer von den drei Anbietern in Zukunft die a3regional-Küche beliefern wird, kommt es auf den Vergleich an. Zuerst gaben wir drei vergleichbare Bestellungen auf. Preislich liegen Gmias und die Marktschwärmerei etwa gleich auf. Die Rollende Gemüsekiste ist etwas teurer. Auch der Bestellvorgang verläuft bei den drei ähnlich, er ist einfach und schnell.

Die Unterschiede liegen im Detail

Bei Gmias und der Marktschwärmerei sind alle Erzeuger aus der Region in einem Umkreis von wenigen Kilometern. Das Gemüse der Marktschwärmerei kam vom Bio-Bauern Pohl und Roth aus Gablingen und dem Landwirt Höger aus Friedberg. Die Gärtnerei Koch-Hagenbusch aus Inningen lieferte die bestellten Produkte für Gmias. Allerdings sind beide Unternehmen noch ausbaufähig. Bei Gmias waren aufgrund der geringen Anzahl an Erzeugern an unserem Bestelltag einige Produkte nicht mehr vorrätig, obwohl diese in der Saison lagen.

Die Auswahl ist bei der Gemüsekiste am besten, jedoch war uns nicht klar, woher die Vitamine kamen. Regional heißt für uns nicht deutschlandweit. Wer genau wissen möchte, von welchem Bauernhof die Produkte des Unternehmens stammen, hat es nicht leicht. Das System der Rollenden Gemüsekiste basiert auf Symbolen, die angeben, wie regional die Lebensmittel sind. Kontrollieren lässt sich das kaum. Das Geschäft basiert auf Vertrauensbasis.

Die Lieferung der Produkte verläuft bei den drei Anbietern sehr unterschiedlich. Die Rollende Gemüsekiste liefert die Bestellung bis zur Haustüre, jedoch nur einmal in der Woche an einem bestimmten Tag. Bei der Marktschwärmerei treffen sich die Produzenten einmal wöchentlich im Akti:f Café. An diesem Punkt ist Selbstabholung angesagt. Gmias liefert am Tag nach der Bestellung zwischen 18 und 21 Uhr nach Hause.

Beim diesem Vergleich schnitt das noch sehr neue Start-up Gmias am besten ab. Hier weiß man ganz genau, von welchem Bauernhof die Lebensmittel herkommen, es ist alles regional und die Bestellung und Lieferung verlaufen nicht nur unkompliziert, sondern auch sehr schnell.