Der Augsburger Stadtmarkt

Eine altehrwürdige Institution vor zukünftigen Herausforderungen: Der Stadtmarkt wird sich in den kommenden Jahren neu aufstellen.

Geschäftig und doch entspannt kann er sein, der Stadtmarkt, diese innerstädtische Oase zwischen Anna- und Fuggerstraße. Frühmorgens, die Stände sind noch nicht ganz bestückt, gönnen sich die ersten Anzugträger*innen einen Espresso im Stehen – das Büro ruft. Gegen zwölf Uhr herrscht reges Treiben: Mittagspause, der Stadtmarkt glänzt als üppiges Imbissparadies. Davor, dazwischen und danach erledigen die Marktschwärmer*innen ihre Einkäufe. Wer sich darauf einlässt, wird erkennen: Das rund 10.000 Quadratmeter große Areal hat viele Gesichter.

»Der Stadtmarkt ist ein Thema, das die Menschen bewegt«, sagt Dirk Wurm. Als Ordnungsreferent ist der SPD-Politiker unter anderem für das Marktwesen zuständig. Sein Ziel, diese altehrwürdige Institution zu modernisieren und für für die kommenden Jahre fit zu machen, sorgte in den letzten Monaten für Diskussionsstoff bei Bürger*innen und Händler*innen. »Wie muss der Stadtmarkt in Zukunft aussehen, damit er das Herz der Einkaufsinnenstadt ist?«, fasst der gebürtige Augsburger die Fragestellung zusammen.

Im Mai startet hierzu ein von einem externen Planungsbüro moderierter Prozess. Beteiligt sind Wurms Ordnungsreferat ebenso wie das Wirtschafts- und das Baureferat. Bis in den Spätsommer hinein kommen in einer ersten Phase Vertreter*innen der Marktleute und Mitglieder der Stadtratsfraktionen zusammen, um gemeinsam Vorschläge zu erarbeiten. »Mit dem Förderverein des Stadtmarkts haben wir uns dahin gehend abgestimmt, dass im Idealfall alle Sparten – Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch und Gastronomie – vertreten sein werden«, erklärt Wurm das Prozedere. Derzeit bieten rund 100 Fierant*innen ihre Waren auf dem Stadtmarkt an. Was auf dieser fachlichen Ebene an Vorschlägen entwickelt wird, soll in einer zweiten Phase gemeinsam mit allen interessierten Bürger*innen diskutiert werden.

Unter den Händler*innen waren zuletzt Bedenken zu hören. Die Sorge um den traditionellen Marktcharakter, der einem verstärkten Gastronomieangebot weichen könnte, treibt sie um. Der Ordnungsreferent hat diese Stimmen vernommen, stellt aber klar: »Es wird zu keinem reinen Event- oder Gastromarkt kommen. Das würde am Ende des Tages nicht funktionieren. Der Stadtmarkt besticht gerade durch die Kombination aus Warenangeboten und Gastronomie.«

Besonders emotional wird die Debatte um verlängerte Öffnungszeiten am Samstag – bislang  7 bis 14 Uhr – geführt. Bei dieser Frage treffen verschiedenste Interessenlagen aufeinander. Während einige Kund*innen gerne länger einkaufen würden, betonen Fierant*innen den hohen Arbeitsaufwand bei geringen Mehreinnahmen. Gleichzeitig hätte ein Teil der Gastronom*innen wohl nichts gegen flexiblere Regelungen in diesem Kontext. »Eine Diskussion über die Öffnungszeiten kann ohne eine Diskussion über die räumlichen Zusammenhänge nicht zielführend zu Ende gebracht werden«, betont Wurm. »Denken Sie an die Zusammensetzung der Fleischhalle. Soll ich den dortigen Imbissbetrieben sagen, dass sie jeden Tag bis 17 Uhr öffnen müssen, wohl wissend, dass sie zwischen 14:30 und 17 Uhr kaum Umsatz machen? Auf der anderen Seite kann ich den Metzgern nicht vorschreiben, dass sie um 14:30 Uhr schließen müssen, damit sie nicht allein in der Halle stehen.«

Um ein möglichst lebendiges Markttreiben von früh bis spät zu fördern, könnte sich das Areal in Teilen auch baulich verändern. Hier spielt auch der grundsätzliche Sanierungsbedarf hinein, der bisher von der Stadt nur in Teilen abgearbeitet wurde. Die letzte große Maßnahme war der Umbau der Fleischhalle 2016. Noch in diesem Jahr erhalten die Bäckergasse und der Bauernmarkt eine einfache Oberflächensanierung mit Asphalt. »Wenn wir nun in einen Prozess über die generelle Modernisierung des Stadtmarkts eintreten, bringt es nichts, Pflastersteine zu verlegen, die uns am Schluss im Weg sein könnten«, erläutert Wurm. Zum Ende des Jahres werden zudem die Stände der benachbarten Gastronomiebetriebe Sakura und VinCafé entfernt, um sie in Modulbauweise neu zu errichten.

Der Stadtmarkt steht vor einem Generationenwechsel. Zwar gibt es immer wieder Veränderungen in der Zusammensetzung, nicht wenige der Händler*innen können jedoch auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken. Einige werden in fünf Jahren wohl nicht mehr an ihrem Stand stehen, sondern ihren verdienten Ruhestand genießen. Der Stadtmarkt ist ein hartes Geschäft: Sechs Tage in der Woche zu öffnen, häufig nur mit einem kleinen Team aus wenigen Mitarbeiter*innen – das muss man erst einmal stemmen. Diese Arbeit verdient höchste Anerkennung.

Derzeit sind lediglich zwei freie Flächen in der Viktualienhalle zu besetzen. Das Marktamt hat als zuständige Behörde die Aufgabe, eine heterogene Zusammensetzung zu gewährleisten und möglichst keine Dopplungen im Angebot zu schaffen. Konkurrenz bekommen die Fierant­*innen vom Lebensmitteleinzelhandel
in der Innenstadt. »Wir brauchen einen Plan, der den Stadtmarkt gegenüber den Supermärkten mit ihren City-Konzepten auf Augenhöhe bzw. darüber hinaus bringt«, gibt Wurm zu bedenken. Die inhaltliche Stoßrichtung ist klar: »Auf den Stadtmarkt gehst du nicht, um einfach nur ein Pfund Tomaten zu kaufen, sondern weil du hier die besten und schönsten bekommst. Dieses Alleinstellungsmerkmal müssen wir herausarbeiten.«

Das Einkaufserlebnis auf dem Stadtmarkt ist in der Tat einzigartig. Er steht für eine Lebensart, die wir als nördlichste Stadt Italiens – oder italienischste Stadt Deutschlands – behutsam hegen und pflegen sollten. Die Produktvielfalt und die hohe Qualität sind ein Glück für Augsburg. Es bleibt zu hoffen, dass uns diese Oase in bester Lage auch in Zukunft erhalten bleibt. Dies kann nur im Zusammenspiel von Stadt, Händler*innen, Gastronom*innen und Kund*innen funktionieren.

Der Stadtmarkt ist ganzjährig, außer sonn- und feiertags, geöffnet: Montag bis Freitag 7 bis 18 Uhr, Samstag 7 bis 14 Uhr. Für den Bauernmarkt gelten folgende Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 7 bis 14 Uhr.

www.augsburg.de

89 Jahre Stadtmarkt – ein Blick in die Anfangszeit

Erste Ideen für einen Augsburger Zentralmarkt kamen um 1874 mit der Eröffnung der Schrannenhalle in der Halderstraße auf. Fragen nach Ort und Finanzierung konnten jedoch lange Zeit nicht beantwortet werden.

1925 kaufte die Stadt Augsburg die ehemalige, 1820 errichtete Lotzbeck’sche Tabakfabrik. Das Gelände zwischen Anna- und Fuggerstraße war prädestiniert für einen Zentralmarkt: Die Freiflächen boten Platz für zahlreiche Händler*innen, der Fleischmarkt ließ sich in den ehemaligen Produktionsstätten unterbringen und verschiedene Ämter der Stadtverwaltung konnten mit ihren Büros auf dem Areal integriert werden. Der Umbau kostete 2,7 Millionen Reichsmark.

Der Stadtmarkt feierte 1930 seine Eröffnung.Verschiedene Augsburger Straßenmärkte und der Fleischverkauf in der Stadtmetzg wurden zugunsten dieses neuen zentralen Anlaufpunkts eingestellt.

1944 wurde der Stadtmarkt durch Bombardierungen schwer beschädigt. Marktgebäude, -amt und -gaststätte brannten bis auf die Grundmauern nieder. Nach und nach baute die Stadt den Markt wieder auf. 1951 wurde der heute noch vorhandene Marktbrunnen aufgestellt, für den der Augsburger Bildhauer Joseph Lappe zwei Bronzefiguren schuf. 1953 wurde der schrittweise durchgeführte Wiederaufbau vollendet.