Drei Fragen an ...

... Hermann Merten zum Öschberg-Palmer-Obstbaumschnitt. Von Gudrun Glock

Hermann Merten kommt aus dem oberbayrischen Benediktbeuren. Er ist ein Mann der Praxis – und seine Leidenschaft gilt dem sogenannten Öschberg-Palmer-Obstbaumschnitt. Eine sehr spezielle Art, Obstbäume zu schneiden. Damit zieht man sich vor Gesundheit strotzende Bäume und ringt ihnen auf sehr einfühlsame Weise einen guten Ertrag ab.

Wie kam das Interesse am Obstbaumschnitt? Andere spielen Fußball oder Klavier. Sind Sie beruflich dort verortet oder gab es ein Schlüsselerlebnis, das Sie dorthin führte?

Ich hatte in Stuttgart einen Garten mit Obstbäumen, die z.T. alt und vernachlässigt waren. Mit meinem Gartennachbarn gemeinsam habe ich mir viel überlegt, wie die insgesamt 48 Obstbäume wiederhergestellt oder bei den Jungbäumen »erzogen« werden können. Sehr viel Beobachtung und viel »Ausprobieren« waren der Anfang, bis ich im Jahr 2000 auf Helmut Palmer traf. In seinem Buch »Der Notenschlüssel der Natur« stieß ich auf den Öschberg-Palmer-Schnitt, der mir meine offenen Fragen beantworten konnte.

Sie haben ein Faible für den Öschberg-Palmer-Obstbaumschnitt. Was ist das Spezielle an dieser Art des Schnitts?

Diese Schnitttechnik ist besonders gut für Streuobstbäume oder auch für Solitärbäume im heimischen Garten. Der Schnitt ist sehr gut durchdacht, strukturiert und relativ einfach zu erlernen. Alles, was Helmut Palmer beschrieben hat, funktioniert hervorragend in der Praxis. Der Erfolg stellt sich schnell ein. Leitast oder Stammverlängerung, Fruchtast, Fruchtholz bilden die einfache Formel.

Weil Sie gerade gesagt haben, »der Erfolg stellt sich schnell ein« ... Gibt es da Beispiele?

Ja, auch Bäume, die von ihren Besitzern beinahe aufgegeben wurden, ließen sich einfach auf Öschberg-Palmer umstellen und hatten nach 3 bis 5 Jahren wieder vollen Ertrag. Die Früchte waren von guter bis sehr guter Qualität und überzeugen zudem von ihrer Größe.
 

Hermann Mertens Tipp für unsere Leser: Der Obstbaumschnitt sollte zur richtigen Zeit stattfinden. Kernobst kann am einfachsten im Frühjahr geschnitten werden, da dann die Bäume ohne Laub sind und man so leichter die wichtigen Äste erkennen kann. Steinobst sollte im Spätsommer bzw. Herbst geschnitten werden, wenn abgeerntet worden ist. So können die Schnittwunden noch vor dem Winter verschließen und es kommt im kommenden Frühjahr nicht zu einem übermäßigen Austrieb.

Foto oben: Hermann Merten in Aktion