Gartenstadt: Wild wachsender Vitaminlieferant

Früher habe ich Schaumkraut als Unkraut betrachtet und gejätet. Heute weiß ich es als schmackhafte Zugabe zu allen Speisen zu schätzen. Eine Kolumne von Susanne Thoma.

Das kleine unauffällige Schaumkraut gehört in die Verwandtschaft von Senf und Kohl und schmeckt würzig-frisch nach Rettich. Die ausdauernde Pflanze überwintert in einer Blattrosette und treibt im Frühjahr einen kräftigen Stängel empor. Mit ihren kleinen weißen oder lila Blüten siedelt sie sich gerne an Mauerkanten und in den Fugen von Pflastersteinen an. Schaumkraut fühlt sich aber auch auf Beeten und Rabatten im Garten wohl. An den Stängeln wachsen Schotenfrüchte, die bei der kleinsten Berührung ihre reifen Samen weit davon schleudern. So kann sich die Pflanze schnell verbreiten.

Die Pflanzengattung Schaumkraut mit dem wissenschaftlichen Namen Cardamine gehört zur Familie der Kreuzblütler. Der deutsche Trivialname für das Schaumkraut geht wahrscheinlich auf die Schaumzikaden zurück, die an manchen Arten häufig zu finden sind. Larven der Zikade scheiden ein eiweißreiches Sekrete aus und blasen es schaumartig zu ihrem Schutz auf. Wer das eklig findet, lässt diese Pflanzenteile einfach stehen und bedient sich halt an anderen Exemplaren.

Seine Schärfe erhält Schaumkraut durch die enthaltenen Senfölglykoside. Das Wiesen- und Waldschaumkraut ist milder, die Pflänzchen des Gartenschaumkrauts sind derber. Alle Kräuter sind gut für die Leber und fördern die Gallentätigkeit. Cardamine in Maßen genossen regt die Verdauung an, wirkt krampflösend und kann bei rheumatischen Beschwerden helfen. In der Volksmedizin werden die harntreibenden und den Stoffwechsel anregenden Schaumkräuter vor allem bei rheumatischen Erkrankungen sowie bei Frühjahrskuren zur sogenannten Blutreinigung eingesetzt. Aufgrund ihrer antibiotischen Wirkung eignen sie sich auch für den Einsatz bei Erkältungskrankheiten oder dienen gar in der Dermatologie in Pflegecremes bei strapazierten und trockenen Händen.

In der Küche verwende ich Schaumkraut ähnlich wie Kresse. Es ist eine ideale Verfeinerung für Quarkdips oder Ziegenkäsecremes, Salatsoßen, Smoothies, Pesto oder Suppen. Es lohnt sich, beim nächsten Frühjahrsspaziergang links und rechts der Wege nach dem unscheinbar wirkenden Wildkraut zu schauen.