Lebensraum Wasser

Über 12.000 Kilometer Flüsse und Bäche, mehr als 200 Seen und Stillgewässer prägen die Landschaft in Bayerisch-Schwaben. Rund 35.000 Angler nutzen diesen Reichtum. Mit dem Schwäbischen Fischereihof in Salgen unterhält der Bezirk Schwaben eine zentrale Anlaufstelle.

Mit Keschern ausgestattet, waten Kinder durch das feuchte Nass. Im Weißbach entdecken sie Bachflohkrebse, Fliegenlarven und Wasserschnecken – winzige, fast unsichtbare Lebewesen. Wie die kleinen Forscher lernen werden, verraten sie Wesentliches über die Qualität des Lebensraumes Wasser. Eine solche »Bachsafari« ist keine Seltenheit im Schwäbischen Fischereihof in Salgen. Wenige Autominuten nördlich von Mindelheim, in den grünen Ausläufern der Westlichen Wälder, unterhält der Bezirk Schwaben seit 1991 diese Einrichtung mit derzeit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Erhalt und die Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen im und am Wasser sind das große Ziel.

Ende Juni fand der jährliche Tag der offenen Tür statt, zu dem trotz drückender Hitze wieder zahlreiche Gäste strömten. In Rundgängen, Filmvorführungen und Mitmachaktionen konnten die kleinen und großen Besucherinnen und Besucher die Arbeitsbereiche des Fischereihofs kennenlernen. Im Zentrum steht der Arten- und Gewässerschutz: Im Lehr- und Beispielbetrieb werden unter anderem Äsche, Nase, Barbe, Huchen, Rutte, Bach- und Seeforelle vermehrt, gehalten, andernorts (wieder-)angesiedelt oder an Züchter abgegeben. Die Lage ist ernst: Ein Großteil der einst über 60 einheimischen Fischarten und Wasserlebewesen ist bedroht, etliche stehen vor dem Aussterben, einige sind bereits ganz aus Schwaben verschwunden.

Die Gründe hierfür sind vielfältig, der Mensch spielt jedoch eine entscheidende Rolle. Durch Eingriffe in die Gewässer sind die Lebensräume strukturell verarmt. Ein Leidtragender ist der Huchen: Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Raubfisch in der Donau und deren Zuflüssen wie Isar, Lech und Regen weit verbreitet. Durch die Errichtung von Wehren wurde seine Wanderung zunehmend beeinträchtigt. In den heute massiv verbauten und regulierten Flüssen sind die Fortpflanzungsmöglichkeiten des Donaulachses – wie der Huchen auch genannt wird – stark eingeschränkt. Ein Überleben ist in vielen Abschnitten nicht mehr möglich. Der Huchen steht damit stellvertretend für das Schicksal nicht weniger Artgenossen. In Salgen können die beeindruckenden, bis zu eineinhalb Meter langen Fische beobachtet werden.

Renaturierung ist das Stichwort, wenn es darum geht, die Fehler der Vergangenheit auszubessern. Im Fall begradigter Wasserläufe wird versucht, das Flussbett und Ufer möglichst naturnah wiederherzustellen. Auf diese Weise sinkt die Hochwassergefahr, Tier- und Pflanzenarten erhalten ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Das Team des Fischereihofs stellt den zuständigen Behörden sein Wissen zur Verfügung, so zuletzt bei den aktuell laufenden Renaturierungsprojekten »Licca Liber« (»der freie Lech«), »Wertach Vital« und »Agile Iller«.

Die durchschnittlichen Besucherinnen und Besucher des Fischereihofs sind nicht nur am Tag der offenen Tür überraschend jung: In der Regel sind täglich zwei oder mehr Schulklassen zu Gast. Die auf dem Gelände beheimatete »Wasserschule« stieß zuletzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Im Frühjahr 2018 wurde ein rund 80 Quadratmeter großer Anbau eröffnet, um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Verständnis für den Umweltschutz wird hier nicht im Frontalunterricht, sondern aktiv und hautnah am und im Lebensraum Wasser vermittelt. Für Schulen entstehen im Rahmen eines Projekttages Unkosten in Höhe von einem Euro pro Schüler. Eine frühzeitige Anmeldung ist zu empfehlen.

Kontakt: Tel. 08266–86265-11,
fischereifachberatung@bezirk-schwaben.de
Öffnungszeiten: Montag –Freitag, 8–16 Uhr

www.bezirk-schwaben.de
 

Abbildung: »Bachsafari« – Kinder erkunden den Weißbach (Foto: Daniel Beiter)