Die Menge machts

Nahrungskette, eine Kolumne von Gudrun Glock

Ich weiß nicht, wie es dir dabei geht, aber mein Hirn schaltet angesichts des unglaublichen Überangebots in den Regalen erst mal ab. Es muss wohl ähnlich empfinden wie der frühzeitliche Mensch, der sich gegenüber einem Säbelzahntiger vernünftigerweise gegen den Kampf und für die Flucht entschieden hat. Auch mein Impuls ist Reißaus nehmen! Der schiere Überfluss an Nahrungsmitteln erscheint mir wie ein bedrohliches Ungetüm und überfordert mich meist.

Wenn Essen mehr Energie verbraucht, als es liefert, dann geht der Körper quasi leer aus und man fühlt sich eher schlapp als energiegeladen. Das kann daran liegen, dass die verzehrten Nahrungsmittel qualitativ minderwertig sind oder man seinen Körper quantitativ mehr oder weniger ständig überlastet. Weniger ist mehr – hört, hört! Ganz zu schweigen von unfassbaren Nahrungsmittelkombinationen. Damit meine ich beispielsweise ein ausgiebiges Frühstück mit Orangensaft, Joghurt und Milchkaffee, ergänzt durch Erdbeerkuchen, gefolgt von Eiern mit Speck. Da möchte ich dich mal sehen, wenn du beim Schwimmen telefonieren sollst und gleichzeitig ein Instrument spielen. Verstehst du, was ich meine? So ähnlich muss sich jedenfalls dein Verdauungsapparat fühlen, wenn du so mit ihm umgehst. Da hat er keine Ahnung, was er zuerst machen soll, und dabei bleibt natürlich irgendetwas auf der Strecke. Nicht so günstig, wenn er eigentlich alles verwerten soll.

Die ursprüngliche Art unserer Nahrungsbeschaffung war das Jagen und Sammeln. Das Nahrungsangebot war auf natürliche Weise beschränkt, denn zur Verfügung stand nur, was die Region, das Klima, der Boden und das Wetter hergaben. Im Übrigen lag es auch an der Kompetenz und Ausdauer der Jäger und Sammler, was sie nach Hause brachten. Denn sowohl die Jagd als auch das Sammeln waren sehr zeitaufwendige und verantwortungsvolle Aufgaben. Somit waren unsere Vorfahren eingebunden in die Abläufe der Natur und angepasst an die Gegebenheiten.

Heute ist alles zu jeder Zeit verfügbar. Und ganz offensichtlich taugen viele Menschen nicht dazu, sich ihr Ernährungspensum in Eigenverantwortung einzuteilen und sinnvoll einzusetzen. Entsprechend den Umständen wurde der Mensch in früheren Zeiten mal satt und mal eben nicht. Kein Problem, sagt dein Körper. Denn mit zeitlich begrenztem Mangel kommt er besser zurecht als mit permanentem Überfluss. Wer mal Pause macht, muss nicht gleich verhungern. Ganz im Gegenteil, der Körper nutzt die Zeit zum Aufräumen – und das schadet ja nie!

Für Gudrun Glock ist Ernährung das zentrale Thema ihrer Arbeit und Essen kein bloßer Kampf gegen den Hunger, sondern die Quelle von Vitalität, Freude und Ausstrahlung.
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