Schwammerlkönig

Ein Besuch bei Pilzfachmann Günther Groß, Vorsitzender im Pilzverein Augsburg Königsbrunn e.V. und Leiter des Naturmuseums Königsbrunn.

»Pilze dürfen heute ein Genussmittel sein« – dieser Satz stammt nicht von mir, sondern von Günther Groß, leidenschaftlicher Pilzsammler, Vorsitzender im Pilzverein Augsburg Königsbrunn e.V. und Leiter des Naturmuseums Königsbrunn. Mit ihm treffe ich mich, um über Pilze – oder bayerisch Schwammerl – zu sprechen. Da ich selbst noch nie Pilze im Wald gesammelt und bisher immer nur von Freunden einen Teil ihrer Ausbeute abbekommen habe, bin ich noch recht blauäugig, was das Thema angeht. Dass unser Pilzgespräch aber bis zu Lebensrettung und Klimawandel ausschweifen würde, hatte ich nicht erwartet.

Bei unserer Begrüßung gesteht mir Herr Groß erst einmal gerade heraus, dass er noch nie etwas von a3regional gehört hat. Ich finde das irgendwie sehr sympathisch und muss ebenfalls zugeben, noch nie etwas von einer Pilzberatung gehört zu haben. Seit seiner Bescheinigung als geprüfter Pilzberater 1983 bietet Herr Groß solch eine Beratung nämlich schon an. Immer vom letzten Montag im August bis Mitte Oktober, also während der Pilzhochsaison, stellen er und weitere Mitglieder des Pilzvereins ihr Wissen für Interessierte zur Verfügung. Auch wer sich bei einem Pilz nicht zu hundert Prozent sicher ist, sollte vor dem Verzehr lieber bei der Pilzberatung vorbeischauen als nachher möglicherweise im Krankenhaus.

Alle 14 Tage gibt es einen Anruf mit einer Pilzvergiftung

Dass Pilzvergiftungen nicht gerade selten vorkommen, kann mir Herr Groß aus seiner langjährigen Erfahrung heraus bestätigen. Mindestens alle 14 Tage bekomme er einen Anruf vom Krankenhaus oder von einer Privatperson, um bei einer Pilzvergiftung eine Einschätzung der Pilzart abzugeben. In einem Einzugsradius von 50 km reichen da manchmal schnell ein paar Handyfotos, um anhand relevanter Merkmale wie Hutfarbe, Fruchtschicht und Stiel eine genaue Aussage über den Pilz treffen zu können. Als Lebensretter würde er sich selbst wahrscheinlich nicht beschreiben, obwohl er das in meinen Augen schon ein bisschen ist. Besonders häufig kommt eine Pilzvergiftung, so sagt er, bei Kleinkindern vor, die im Garten irgendeinen Pilz anknabbern. Zwar wird man im eigenen Garten eher auf halluzinogene Pilze stoßen, dennoch ist eine Pilzvergiftung nicht zu unterschätzen und kann unter Umständen tödlich enden.

Verstärkt wird das Vergiftungsproblem im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Immer mehr Pilze aus dem Mittelmeerraum ziehen mit den steigenden Temperaturen auch in die deutschen Wälder ein. Ein per Klimawandel zugewanderter Pilz kann sich neben bekannten Speisepilzen einreihen und erhöht selbst für erfahrene Pilzsammler das Verwechslungsrisiko. Ein Beispiel dafür ist der Parfümierte Trichterling. Er stammt aus Nordafrika und ist über Spanien, Frankreich und Italien bis in die Schweiz und Österreich eingewandert. Einmal verzehrt, löst dieser Giftpilz unerträgliche Dauerschmerzen aus, die über Monate anhalten können. Dass mancher Giftpilz aber bewusst gepflückt und verspeist wird, kann auch kulturelle Hintergründe haben. Besonders bei Pilzsammlern mit östlichen Wurzeln sei der Kahle Krempling beliebt, der in Deutschland als Giftpilz verzeichnet ist. Wenn so ein Exemplar bei Herrn Groß in der Pilzberatung landet, rät er generell vom Verzehr ab. Ihm geht es in erster Linie darum, die Leute zu schützen, die solche Pilze nicht gewohnt sind.

Heute darf der Pilz ein Genussmittel sein

Heute soll der Pilz ja ein Genussmittel sein, oder besser gesagt: Er darf ein Genussmittel sein! Wenn man Herrn Groß nach seinem persönlichen Genusspilz fragt, verweist er auf den Großen Parasolpilz. Der große Hut des Parasols eigne sich einfach hervorragend, um in der Pfanne ein schmackhaftes, vegetarisches Schnitzel zuzubereiten. Wer sich jetzt gleich auf die Suche nach einem schönen Exemplar machen will, dem sei noch ein Rat vom Experten mitgegeben: Vorausgesetzt, man hat sich bereits ein wenig in Grundzügen über Pilze informiert und ein Pilzbuch dabei, schauen sehr viele Sammler lediglich auf die Bilder im Pilzbuch. Wenn dann der Pilz auf dem Bild ungefähr so aussieht wie der vor der Nase, wird er mitgenommen. Wichtig sei es aber, sagt Herr Groß, wirklich auf die im Buch beschriebenen Merkmale zu achten. Wenn es drei beschriebene Merkmale gibt, zum Beispiel braunfaseriger Stiel, brauner Hut und eine oliv-gelbe Fruchtschicht, und diese bei dem Pilz in Kombination auftreten, dann kann bei diesem Beispiel mit Sicherheit gesagt werden, dass es sich um einen Maronenröhrling handelt. Ob dann auf dem Pilzbild im Buch ein dickerer Stiel abgebildet ist oder nicht, kann vernachlässigt werden. So vermeidet man unglückliche Unfälle und kann sich ganz dem Genuss des schmackhaften, selbst gesammelten Pilzes hingeben. Guten Appetit!

 

Pilzberatung:

Jeweils montags von 16:00 bis 17:30 Uhr im Stadtmarkt Augsburg, Viktualienhalle

und später von 18 bis 20 Uhr im Hotel Krone, Bgm.-Wohlfahrtsstr. 44, Königsbrunn 

Infos: www.pilzeaugsburg.de

Giftnotrufzentrale München: Tel. 089–19240