Tomatensoße, aber nicht aus der Dose

Nahrungskette. Eine Kolumne von Gudrun Glock

Es ist eine Wonne, die Tomaten sind reif! Wie immer genau zu der Zeit, in der ich mich mehr auf Urlaubsreisen befinde als zu Hause. »Kannst du bitte die Tomaten gießen, wenn ich weg bin?«, frage ich meine Nachbarin. »Gerne kannst du auch welche ernten«, kommt mir dagegen nicht über die Lippen. Schließlich warte ich seit März auf die paradiesischen Früchte. Im Schweiße meines Angesichts habe ich sie gepflegt, ausgegeizt, bewässert, aufgebunden und gedüngt. Da kann ich hin und wieder maximal zwei bis drei Exemplare an meine Schwiegermutter abgeben. Mehr geht nun wirklich nicht!

Aber, um wieder zum Thema zu kommen, was tun mit den herrlich duftenden Rispen voller wunderschöner Köstlichkeiten, reich an wertvollen Mineralstoffen und Vitaminen und arm an Kalorien? Ganz klar – haltbar machen. Und was kann vergnüglicher sein, als zur kalten Jahreszeit ein Glas voll Sonne zu öffnen und klassischerweise mit dampfender frischer Pasta zu servieren? Also lege ich los. Gläser reinigen, Tomaten waschen, vierteln, Strunk entfernen und ab in den Topf damit. Der Zauber einer wirklich guten Tomatensoße liegt für mich auf jeden Fall darin, dass ich ihr Zeit schenke. Lange soll sie sanft kochen dürfen, damit sich die Säure verliert und sich am Ende eine perfekte Balance aus salzig, süß, sauer und scharf ergibt. Außerdem verfeinere ich sie mit Gewürzen und Kräutern, frisch aus dem Garten. Ein Rezept mit genauen Maßen und Mengen habe ich dafür allerdings nicht. Denn jede Tomate wartet mit ihrem ganz eigenen Geschmack auf und will entsprechend wahrgenommen werden. Gerne gebe ich gleich zu Beginn Rosmarin mit in den Topf und zum Schluss noch eine Portion aromatisches Basilikum. Beides ergänzt den Tomatengeschmack, einmal abgesehen von der ganz speziellen Note, um eine bittere Nuance. Drei bis vier Nelken machen die Säure besser verträglich und eine Prise Zimt bringt etwas sanfte Schärfe mit sich. Noch etwas Chili, um die Schärfe zu unterstreichen, und zu guter Letzt gebe ich eine Prise Vollrohrzucker hinzu, um das Ganze abzurunden. Diese Mischung schmeckt genial, ist nebenbei noch verdauungsfördernd und der Gesundheit zuträglich. Zusammenfassend lässt sich nur noch sagen: »Molto bene! Nie mehr fertige Tomatensoße aus dem Regal!«

Für Gudrun Glock, Ayurveda-Ernährungs- und Gesundheitsberaterin, ist Ernährung das zentrale Thema ihrer Arbeit. Essen ist für sie nicht der bloße Kampf gegen den Hunger, sondern, die Quelle von Vitalität, Freude und Ausstrahlung.
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Foto: flo-job Büro