Über den Tellerrand: Altmühltal

Mit dem Kanu von Pappenheim nach Dollnstein im Naturpark Altmühltal.

Pappenheim ist ein kleines, hübsches und recht lebendiges Städtchen. Es liegt mitten im Naturpark Altmühltal. Über ihm thront eine in Teilen schön instand gesetzte Burganlage. Ihr mächtiger Turm bietet einen grandiosen Blick über den Ort und weit hinein in den Naturpark. Die Redewendung »Ich kenne meine Pappenheimer« ist wohl den meisten geläufig. Im 17. Jahrhundert aufgekommen, brachte sie den besonderen Mut der so Angesprochenen zum Ausdruck. Der General Gottfried Heinrich zu Pappenheim galt manchen Zeitgenossen wohl als besonderes Vorbild im soldatischen Sinn. Friedrich Schiller legte das Zitat ein Jahrhundert später seinem Wallenstein in den Mund und machte es damit unsterblich. Heute hat es eher eine despektierliche Bedeutung, im bes­ten Fall mit einem Augenzwinkern verbunden. So ändern sich die Zeiten und Gebräuche. Was bleibt, sind der Ort und der Fluss, der ihn umgibt.

Die Altmühl ist in langen Teilen ein mittelfränkisches Gewässer, bevor sie nach einem Intermezzo im nördlichen Oberbayern bei Kelheim in die Donau mündet. Ihr mäandernder Lauf ist vor allem im mittleren Teil, zwischen Treuchtlingen und Dollnstein im Fränkischen Jura, reizvoll für Kanut*innen. Zwischen diesen beiden Orten liegt Pappenheim, der Ausgangspunkt unserer Exkursion.  

Hier passt die Beschreibung »gemächlich« für den Fluss. Ein Umstand, der ihn zum idealen Wasserlauf für alle macht, die Interesse daran haben, die Landschaft im Boot zu durchwandern, ohne dabei allzu viel nautischen Sachverstand oder sportlichen Ehrgeiz mit an Bord nehmen zu müssen. Die Altmühl umschließt den Ort nahezu. Der Natur-Campingplatz von Uwe Horsmann hat rund 100 Stellplätze, er liegt zentral am Fuß der Burg und malerisch in der Flussschleife. Er bietet jeden Komfort, den man an Orten wie diesen erwartet darf, und zum Glück wenig darüber hinaus. Hier ist es ruhig und schön und die Übernachtungskosten halten sich im Rahmen. Bei unserem Besuch mit Wohnmobil, zwei Erwachsenen und zwei 12-Jährigen standen zum Schluss weniger als 50 Euro auf der Rechnung. Der Kiosk an der Rezeption verkauft das Bier der Brauerei Wurm aus der Nachbarschaft gut gekühlt und die Bestellsemmeln zum Frühstück kommen vom Bäckermeister im Ort.

Der Taxiunternehmer Manfred Popp ist hier die erste Adresse, wenn es um den Verleih von Canadiern geht. Diesen Bootstyp kennt man in seiner Grundform aus Indianerfilmen. Er bietet vier Paddler*innen bequem Platz. Popp liefert direkt an den Platz. Die Ausleihe umfasst neben Boot und Paddel bei Bedarf auch Schwimmwesten und Trockenboxen. Zu seinem Service gehören die Ausgabe von Kartenmaterial und eine ebenso zutreffende wie persönliche Einschätzung der gastronomischen Gegebenheiten entlang der geplanten Strecke. Der Tarif für diese Leistungen liegt bei knapp 50 Euro. Dieser Preis ist fair, zumal er auch die Abholung vom Zielort für Boot und Paddler*innen beinhaltet.

Unser Ausflug führt von Pappenheim über Zimmern (Gasthof Sonntag) und Solnhofen (Wirtshaus Alte Schule) vorbei an der Felsformation Zwölf Apostel (Foto) zum Zeltplatz Hammermühle. Die Stromschnellen hier sind nicht wirklich gefährlich, sondern machen richtig Spaß – der Mannschaft im Boot ebenso wie den fachkundigen Beobachtergruppen am Ufer. Hier finden sich auch immer Menschen, die Schiffbrüchigen mit Tat und vor allem Rat zur Seite stehen. Nachdem wir das überschüssige Wasser aus dem Canadier gekippt haben, sind es nur noch wenige Kilometer zum Tagesziel in Dollnstein. Die Einkehr im Gasthof Kirchenschmied ist vor allem dann zu empfehlen, wenn einem der Sinn nach ehrlicher fränkischer Küche steht. Nach dem zweiten Bier meldet sich Taxiunternehmer Popp, bereit für die Rückholung.

Die beschriebene Tagestour ist etwa 20 Kilometer lang und relativ einfach. Wer Pappenheim besucht, sollte es nicht versäumen, das Städtchen und die Burg zu erkunden. Fernsicht und Folterkeller sind sehenswert. Der Rückweg nach Augsburg könnte dann über Solnhofen führen. Das paläontologisch-geologische Museum erlangte Bekanntheit durch den Besitz zweier Originale des in der Region gefundenen Urvogels Archaeopteryx. Angeregt durch diese Schau, lohnt sich anschließend ein Besuch im Hobbysteinbruch an den Hängen über dem Ort. Von hier aus ist man in weniger als einer Stunde zu Hause. Von Augsburg nach Pappenheim sind es gut 80 Kilometer. Verwunderlich, dass der Naturpark Altmühltal hierzulande nicht stärker im Bewusstsein präsent ist. Aber das kann sich ja ändern.

www.pappenheim.de 
www.camping-pappenheim.de