VOLLSATT

Mit einem Nachbarschaftsprojekt bringt Pareaz e.V. Produzent*innen von heimischem Obst und Gemüse mit Konsument*innen zusammen und die Natur ins Glas. Sie retten Lebensmittel und beleben die alte Kulturtechnik des Einmachens neu.

Der Projekttitel »Vollsatt« ist durchaus provozierend gemeint. Dass in Deutschland etwa ein Drittel der Nahrung nicht genutzt oder weggeworfen wird, konnten wir noch nie verstehen. Der tatsächliche Impuls für das Projekt entstand aus der Beobachtung heraus, dass Obstbäume in vielen Klein- und Privatgärten gar nicht abgeerntet werden. Denn wenn alles gleichzeitig reif wird, sind die GärtnerInnen häufig überfordert. Manchmal fühlen sie sich auch schon zu alt, um noch selbst auf Leitern zu steigen. So fallen die herrlichsten Kirschen, Äpfel und Birnen herunter und verrotten. Was für eine Verschwendung! Seit geraumer Zeit sprechen wir deshalb die GartenbesitzerInnen an und schlagen ihnen einen Deal vor: Wir vermitteln junge ErntehelferInnen aus der Nachbarschaft, die als Gegenleistung einen Teil der Früchte als »Lohn« mitnehmen dürfen. Und bei gemeinsamen Einmachevents verarbeiten wir die zum Teil erheblichen Erntemengen in unserer mobilen Einmachküche sogleich zu Gelee, Kompott oder Mus.

Kirschsaft und Kompott

Anfang Juli – in diesem Jahr aufgrund des warmen Sommers gut drei Wochen früher als sonst – konnten wir einen riesigen Kirschbaum in einer Kleingartenanlage in Pfersee abernten. Mehrere Jugendliche aus Afghanistan haben sich ordentlich ins Zeug gelegt. Nach einem Sechs-Stunden-Einsatz mit sieben Leuten waren unsere Kisten mit Süßkirschen prall gefüllt. Aus einem Teil der köstlichen Ware haben wir mit einem Dampfentsafter noch vor Ort viele Liter Kirschsaft gewonnen. Den anderen Teil haben wir am Tag darauf in das Jugendhaus linie3 gebracht, um dort Kirschkompott herzustellen. Eine Hauswirtschaftsmeisterin des DHB Netzwerk Haushalt hat uns dabei unterstützt und gezeigt, wie man richtig mit einem Einkochautomaten hantiert und auch den Backofen zum Einwecken nutzt. Es ging hoch her. Viele fleißige Hände haben die Kirschen entsteint und dabei natürlich auch eine Menge genascht.

Apfelsaft in der Box

Nahezu jeder Apfelbaumbesitzer, den wir in diesem Jahr getroffen haben, hat über seine vollen Bäume gestöhnt: »Wohin mit dem Obst?« Wir konnten abhelfen. Mit Leitern, Kisten und Säcken bepackt zogen wir durch die Gärten und verfrachteten die gepflückten Äpfel anschließend zu einer Obstpresse in Batzenhofen. Dort kann man sich für kleines Geld und mit ein wenig Eigenarbeit den Saft nicht nur pressen, sondern auch gleich sieden und in die praktischen Bag-in-Box-Behälter abfüllen lassen. Unsere Früchte waren im Hand­um­drehen verarbeitet und alle HelferInnen waren sowohl von dem Produktionsablauf als auch von dem fertigen frischen Apfelsaft begeistert. Der Saft lässt sich ungeöffnet bis zu drei Jahren und geöffnet mehrere Wochen aufbewahren. Das lohnt sich doch! Die Aktion wollen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall ausweiten.

Zu gut für die Tonne

Zum Saften sind nur einwandfreie Früchte tauglich, aber es gibt natürlich immer auch »wurmige» Exemplare. Das ist die landläufige Bezeichnung, denn der Wurm ist in Wirklichkeit eine Schmetterlingsraupe. Man erkennt die Schädigung an dem typischen, rötlich umrandeten Bohrloch in der Schale. Es ist das eindeutige Kennzeichen für den Apfelwickler. Die meisten Früchte lassen sich trotzdem noch verwenden, wenn man die Fraßgänge herausschneidet. Gesagt, getan. Die Apfelstücke mit Zucker und Zimt aufgekocht und heiß in Gläser mit Schraubdeckel gefüllt ergeben ein köstliches Mus, das den ganzen Winter über genießbar bleibt.

Viktualienmarkt

Wer bei unseren Aktionen mitmacht, bekommt einen Teil des Einmachgutes. Die Mengen, die von uns hergestellt werden, übersteigen aber unseren eigenen Bedarf. Deshalb geben wir Säfte, Gelees und Kompott gerne gegen Spende ab. Man findet uns auf nachbarschaftlich organisierten Märkten.

Weitere Termine unter www.vollsatt.de.