Schnell aufgegabelt: Wirtshaus Meyers Keller

Einst lag Nördlingen an der bedeutenden Handelsroute zwischen Augsburg und Nürnberg. Dieser exklusiven Lage, mitten in einem Meteoritenkrater aus grauer Vorzeit, verdankt es seine historische Pracht und Bedeutung. Seinen Charme hat sich das Städtchen im Ries durchaus erhalten und ist allemal einen Besuch wert. »Etwas weit weg vom Schuss ist es halt«, bemängeln da manche, wo andere die zentrale Lage zwischen Stuttgart, Nürnberg und Augs­burg loben.

Aus diesem Städtedreieck kommt auch das Gros der Gäste, die Nördlingen nicht wegen der komplett erhaltenen Stadtmauer besuchen, sondern Jockl Kaisers Sterneküche wegen. Ein Weg, der sich lohnt. Sein Wirtshaus Mayers Keller ist hoch über der Stadt in einer ehemaligen Weißbierbrauerei untergebracht. Gemeinsam mit seiner Frau Evelin übernahm er vor mehr als dreißig Jahren den Familienbetrieb und formte daraus peu à peu das gastronomische Glanzlicht seiner Region. Das alte Sudhaus wandelte sich zu einem Genussort, an dem sich jeder wohlfühlen kann, der Sinn für eine verlässlich gute Küche und ein offenes, modernes Ambiente ohne viel Klimbim hat. Der Gastgarten über dem alten Eiskeller zählt mit seinem weiten Blick und herrlichen Baumbestand wohl zu den schönsten nördlich der Alpen und die Fassade ihrer alten Brauerei haben die Kaisers in Würde altern lassen.

Auch bei ihrer Karte machen die beiden vieles richtig. Sie setzen auf eine Mischung aus regionalen, vom Küchenchef verfeinerten Spezialitäten, die unbedingt zu probieren sind, und ausgewählten Standards, wie sie auf zahlreichen Karten renommierter Häuser zu finden sind. Hier trifft die Blunzen-Nudel auf den Rochen und das Wiener Schnitzel auf die gestockte Rohmilch mit Buchweizen. Das Konzept kommt bei den Gästen an. Bei Preisen deutlich über dem ortsüblichen Niveau müssen Qualität und Leis­tung stimmen. Neben einer umfangreichen Karte für individuelle
Bestellungen bietet Kaiser seinen Gästen verschiede Menüvarianten zwischen 50 und 140 Euro. Das Angebot an Weinen ist solide und gut, der Service aufgeschlossen und hemdsärmelig, ohne dabei ins allzu Vertrauliche abzugleiten. Mehr Gastinformationen zu den regionalen und saisonalen Besonderheiten der Angebote würden dem Konzept des Hauses gut zu Gesicht stehen. Zumal Jockl Kaiser mit seinem vorzüglichen Schinken »Rieser Culatello Riserva« vom Schwäbisch-Hällischen Schwein kulinarische Maßstäbe zu setzen weiß. (kaj)

www.jockl-kaiser.de