Unsere Gänse fressen Gras

Gaense_Martin-Kohnle

Es ist ein idyllisches Fleckchen, an dem Uwe Wirth seinen Geflügelhof betreibt. Am Ortsende von Horgau in Richtung Bieselbach hält er seine Gänse und Flugenten, sowie eine Schar Hühner und Puten. Auch ein kleiner Schweinestall gehört zum Grundstück, von dem man einen grandiosen Ausblick auf die umliegenden Felder und Waldstücke hat. Links neben den Ställen und der Weide steht das Wohnhaus der Familie, zusammen mit einem kleinen Anbau, auf dem in roter, geschwungener Schrift »Hofladen« geschrieben steht. Vereinzelt hört man das Geschnatter von den etwa 250 Gänsen, die in Grüppchen über die große eingezäunte Grünfläche watscheln. »Die Gänse und Flugenten bleiben den ganzen Tag draußen. Nur nachts kommen sie in den Stall, damit der Fuchs sie nicht holt«, erklärt Wirth. Übernommen hat er den Betrieb von seinem Vater, der schon seit 1985 Gänse hält und auch heute noch auf dem Hof mithilft.

Während die Suppenhühner wöchentlich nach Bedarf geschlachtet werden, lässt sich das Lebensende der Gänse ziemlich genau datieren. Schließlich beginnen im Herbst die Feiertage, an denen der Gänsebraten ein beliebtes saisonales Gericht in der Region ist. Neben Kirchweih und dem Martinstag sind es vor allem die Weihnachtsfeiertage, an denen die Nachfrage besonders hoch ist. »Früher sind die Leute aus dem Dorf zu uns gekommen, um hier ihre Weihnachtsgans zu kaufen. Sie waren immer ganz angetan. Heute kommt Kundschaft aus der ganzen Umgebung, auch aus Augsburg«, erzählt Wirth. Je nach Gewicht von drei bis sechs Kilogramm kostet eine Gans bei ihm etwa zwölf Euro – ein fairer Preis, wenn man bedenkt, dass der Weihnachtsbraten schließlich eine ganze Familie satt macht.

Trotzdem verkauft der Landwirt sein Geflügel nahezu ausschließlich an Privatleute. Den Gastronom*innen aus der Region ist das Fleisch oft zu teuer. »Viele kaufen Gänse aus dem Ausland, das ist natürlich billiger«, meint er, »aber natürlich schmeckt das Fleisch dann anders, von den Haltungsbedingungen der Tiere einmal ganz abgesehen.« Diese Gänse stammen meist aus Großmästereien in Osteuropa und landen zu Billigpreisen in den Tiefkühltruhen der Supermärkte. Nur etwa 15 Prozent aller in Deutschland verzehrten Tiere kommen aus inländischen Betrieben. Und auch dort überwiegt die Massentierhaltung.   

Lediglich ein verschwindend geringer Teil der Gänse wird in artgerechter Haltung aufgezogen und darf sein Leben wie auf dem Geflügelhof Wirth als Herde im Grünen verbringen. Auch die Ernährung der Tiere unterscheidet sich bei Wirth stark von der Aufzucht in Mastbetrieben: »Unsere Gänse fressen Gras, unser eigenes Getreide und Brot – Zusatzstoffe oder Medikamente brauchen sie nicht.«

 

Rezept: 

Gänsebraten

Zusammenfassung

Ertrag
5 Personen
QuelleJürgen Kannler
Zubereitungszeit
Kochdauer
Gesamtzeit

Zutaten

 
Salz, Pfeffer, Kümmel,
 
Wurzelgemüse
 
Zwiebeln
 
Äpfel

Anleitung

Es gibt Menschen, die essen gerne Fisch und Fleisch, haben aber gewisse Hemmungen davor, selbst eine fangfrische Forelle oder einen Gänsebraten zuzubereiten. Ihnen graut wohl vor dem Gedanken, das tote Tier zu berühren, es zu reinigen, den toten Körper behutsam mit Kräutern, Salz und Gewürzen zu massieren und es für die weitere Zubereitung vorzubereiten. Diesen bedauernswerten Zeitgenossen wird das Rezept nicht weiterhelfen.

Um seinen Freunden einen guten Gänsebraten vorsetzen zu können, braucht es Respekt vor dem Tier. Deshalb kommen uns nur Gänse in den Bräter, die bis zu ihrer Schlachtung das gesellige Leben einer bayerischen Bauerngans genießen durften. Die Bezugsquellen sind rar und die Nachfrage groß. Also sollte man frühzeitig beim Geflügelhof seines Vertrauens ein Tier bestellen. Pro Person kann man mit 500 g Schlachtgewicht rechnen.

Ab fünf Essern macht der Aufwand Sinn. Der weitere Weg bis zum Festschmaus ist vergleichsweise einfach. Man braucht für die ordentlich gereinigte und anschließend mit Salz, Pfeffer und Kümmel außen und innen bearbeitete Gans einen großen Bräter mit Deckel, etwas Wurzelgemüse, Zwiebeln und vielleicht ein paar Äpfel.

Das Tier wird mit der Brust nach unten in den Bräter gelegt und gut mit heißem Wasser angegossen, abgedeckt und bei gut mittelhoher Hitze (ca. 180 Grad) in das Backrohr geschoben. Eine Stunde später wird sie gewendet und auf dem Gemüse neu gebettet. Ohne Deckel bei mittelhoher Hitze (150 Grad) zurück in den Ofen. Pro Kilogramm muss am mit etwa 50 Minuten Ofenzeit rechnen. Einige Minuten vor dem Auftischen den Bratensaft in eine Fettkanne abgießen und die Gans kurz bei hoher Hitze (200 Grad) bräunen. Fertig.

 

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Horgau